© Tiago Zarpack

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Vita Rainer Bielfeldt

Von den vielen Menschen im Showgeschäft, die im Hintergrund stehen, steht einer ganz vorne: Rainer Bielfeldt. Sein Name ist in der deutschen Musikszene zum Synonym für Virtuosität und Spielfreude geworden. Mit seinen Kompositionen, Arrangements, Produktionen, Texten, seinem Gesang und Klavierspiel hat der 1964 geborene Wahlberliner die Entertainment- und Kleinkunstbranche unserer Zeit entscheidend mitgeprägt. Nicht nur mit Liedern wie “Wir zwei sind ein Paar” oder der unvergänglichen “Rinnsteinprinzessin”, sondern auch mit Musicals für Kinder und Erwachsene, mit Hörspielen und Soundtracks, Chansons und Schlagern, Satire- und Kabarett-Programmen und noch vielem mehr.

Geboren wurde Rainer Bielfeldt in Hamburg, der Stadt, in der man meist nicht viele Worte braucht um was zu sagen. “Entsprechend war ich ein eher ruhiges Kind. Und bin es noch heute”, schmunzelt er. Das gehört wohl zu den Dingen, die Künstler und Kollegen an ihm schätzen: die unaufgeregte, sympathisch zurückhaltende Art, die einen manchmal vergessen lässt, was für ein kreativer Vulkan unter der sanften Oberfläche brodelt. Die ersten Funken zeigen sich, als Bielfeldt acht Jahre alt ist: Klavierunterricht, Harmonielehre, später Klarinette und Saxophon. 1985 beginnt er das Studium der Schulmusik mit Hauptfach Klavier und absolviert den Kontaktstudiengang Popularmusik an der Musikhochschule Hamburg (Popkurs) mit dem Schwerpunkt Chanson. Beim Casting zu Bielfeldts erstem Musical “Kennwort Einsames Herz” bleiben Blick, Ohr und Herz an einem androgynen Jungen haften: Tim Fischer. “Die Zeitungen schreiben manchmal, ich hätte Tim entdeckt”, sagt Rainer Bielfeldt heute, “als wäre das eine große Leistung gewesen. Die Wahrheit ist: Es war unmöglich ihn NICHT zu entdecken.” 1991 entsteht das erste gemeinsame Programm “Zarah ohne Kleid”. Das Publikum: Standing Ovations. Die Kritik: “Hier hat sich das deutsche Chanson neu erfunden.” Rainer Bielfeldt: “Na das is’ doch fein!” Hamburg bleibt eben Hamburg.

1994 übernimmt Rainer Bielfeldt die Arrangements und die musikalische Leitung von “Piaf – Revue eines Lebens” am Hamburger Schmidt Theater. 1995 vertont er Texte von Mascha Kaléko, die er in den Folgejahren mit Julia Kock auf Tournee (“Mascha”) präsentiert. Überhaupt: Tournee! Es gibt wohl kaum ein Musiktheaterhaus im deutschsprachigen Europa, in dem nicht schon Bielfeldt-Lieder erklungen wären. Rainer Bielfeldt begleitet Stars wie Alfred Biolek, Brigitte Mira, Wolfgang Völz, Nana Gualdi, Su Kramer, Hartwig Rudolz, Christiane Weber, Ole Lehmann, Antonia Bill und natürlich Gayle Tufts, die Erfinderin des “Denglish”, mit der er von 1995 bis 2003 acht Tournee-Shows und vier gemeinsame Alben erarbeitet. Auch er selbst tritt als Sänger in Erscheinung, veröffentlicht unter anderem die Soloalben “Nachtzug” (1992), “Herzen mit Koffer” (1993), “Alles nur ein Traum” (2003), “Sänger sein” (2006) und die Maxi-CD “Um die Häuser von Berlin” (2005).

Neben dem Bühnenmenschen Rainer Bielfeldt gibt es aber auch den anderen: den stillen, der komplett im Hintergrund bleibt. In seinem Studio entstehen ab Anfang der Neunziger Jahre Songs für Mireille Mathieu, Mary, Jan Ammann, Claus Vinçon, Berlin Comedian Harmonists, Katherine Mehrling, Donato Plögert, Kurt Elsasser und viele, viele andere. Neben den allein stehenden Songs sind es aber vor allem die Musicals, die es Bielfeldt angetan haben, und hier ganz besonders die für Kinder: 1990 schreibt er mit Paul Maar “Eine Woche voller Samstage”, das erste von rund einem Dutzend Stücken, die auf Kinderbuch-Vorlagen basieren. Es folgen “Pippi in Taka-Tuka-Land”, “Pippi feiert Geburtstag”, “Alice im Wunderland”, “Sams im Glück” sowie die Hörspielreihen “Was hör ich da?” (15 Folgen bisher erschienen) und “Käpt’n Sharky” – 7 Folgen mit dem unvergessenen Dirk Bach und mittlerweile 4 Folgen mit Axel Prahl in der Titelrolle.
2015 feiert auch endlich das “Käpt’n Sharky”-Musical seine Uraufführung am Hamburger St. Pauli Theater.
Seine Texte schreibt er wahlweise selbst oder er arbeitet mit den besten der Szene zusammen: Edith Jeske, Otto Senn, Pe Werner, Peter Lund, Thomas Pigor und Tobias Reitz sind nur einige seiner bisherigen Partner.

Rainer Bielfeldt lebt in Berlin und arbeitet inzwischen auch als Coach und Dozent für Nachwuchskünstler. So unterrichtet er an der renommierten “Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch” Liedinterpretation und an der “Celler Schule”, dem einzigen Förderseminar für Textdichter in deutscher Sprache. Seine Pläne für die Zukunft? “Größtenteils so weitermachen, einen Teil meiner Zeit in Südamerika leben und gesund bleiben. Der Rest soll mal einfach kommen.” Spricht’s, schmunzelt und strahlt wieder diese Ruhe aus. Der kreative Vulkanausbruch will schließlich gut ausgeglichen sein.

(Text: Tobias Reitz – Danke Tobi!)