© Tiago Zarpack

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Rainer Bielfeldt solo

Seit Erscheinen seines Debüt-Albums „Nachtzug“ im Jahre 1992 hat Rainer Bielfeldt bis heute drei weitere Solo-CDs veröffentlicht: „Herzen mit Koffer“ (1993), „Alles nur ein Traum“ (2003) und „Sänger sein“ (2006). Außerdem erschien 2004 die Maxi „Um die Häuser von Berlin“ mit einer etwas anderen Berlin-Hymne und dem Bonus-Track „Schwule Kicker“.

Mit seinen CDs im Gepäck stand Rainer Bielfeldt immer wieder auch live auf der Bühne, manchmal mit Band im Rücken, meistens aber ganz pur, von sich selbst am Flügel begleitet.
Aktuell ist er gemeinsam mit dem Saxophonisten und Akkordeonisten Tom Keller auf der Bühne zu sehen.

Ein neues Soloalbum ist in Arbeit.

„Musik machen“ –
Rainer Bielfeldt & Thomas Keller

Sein Klavierspiel ist unverkennbar. Sein Gesang auch. Seine Kompositionen sowieso. Als Rainer Bielfeldt 2006 sein letztes Album „Sänger sein“ veröffentlichte, hatte er gar nicht geplant danach eine fast siebenjährige Pause einzulegen. Hat er eigentlich auch nicht getan – er zog sich nur für den Moment zurück aus der ersten Reihe und machte Musik für Andere. Für Dirk Bach, Ole Lehmann, Jan Ammann, Mireille Mathieu. Als Bühnenbegleiter, Komponist, Produzent, Hörspielautor.
Das Dasein als erster Mann der zweiten Reihe war ihm ohnehin seit Beginn seiner Karriere vertraut, seit er z.B. Tim Fischer im Jahr 1990 bei seinen Schritten auf die große Bühne zur Seite stand und ihm die legendäre „Rinnsteinprinzessin“ auf den Leib schrieb, oder später viele Jahre im Duo mit Gayle Tufts durch die Lande tourte. „Offen gestanden wusste ich zwischendurch auch nicht, worüber ich selbst eigentlich singen will“, sagt Bielfeldt heute. Solche Lebensabschnitte laufen in Pressetexten wie diesem häufig unter dem Etikett „Orientierungsphase“. Die große Suche blieb hier aber aus. Eher: zur Ruhe kommen. Bei sich selbst anklopfen und fragen, ob hier jemand was braucht. Bühne war es eine Zeit lang nicht. Jetzt kam der Hunger wieder. Und mit ihm (oder umgekehrt) auch ein musikalischer Partner: Tom Keller, ebenfalls versierter, hochbegabter und renommierter Komponist (zusammen mit Birger Heymann und der Band „No Ticket“ Co-Komponist und Arrangeur des Musicals „Linie 1“ im Berliner Grips Theater, zahlreiche weitere Bühnenmusiken sowie Film-und Fernsehmusiken) und nicht zuletzt virtuoser Instrumentalist mit Tiefgang am Saxophon und Akkordeon. Dass sie gut zusammen arbeiten können, wissen Bielfeldt und Keller schon lange. Dass sie dieser Arbeit jetzt auch wieder den Live-Rahmen geben wollen, kann Musikbegeisterte nur ehrlich freuen.

Thomas Keller (© Gudrun Arndt)

Thomas Keller (© Gudrun Arndt)

Zwei ziemlich große Jungs stehen da auf der Bühne. Beide keine Teenager mehr, aber mit der gleichen Spielfreude wie damals. Vielleicht noch etwas mehr. Schließlich wissen sie heute, was sie tun (und auch, was sie nicht mehr tun würden). „Wir saßen beim Essen zusammen, philosophierten über das Leben und fragten uns irgendwann, warum wir nicht mal wieder zusammen auftreten“, erzählt Rainer Bielfeldt. So naheliegend es klingt, so ist es auch. Von der kleinen Bühne bis zur großen Show haben beide schon alles gehabt. Das Anliegen, das sie mit dem neuen Programm antreibt, ist eher puristisch: Musik machen. Und zwar so, dass es Spaß macht. Kein starrer Ablauf, aber ein großer Fundus an guten, berührenden Songs mit einigen neu geschaffenen und anderen noch unentdeckten Perlen. Keine ausgetüftelte Dramaturgie mit sekundengenau platzierten Pointen, aber eine unnachahmlich charmante Fähigkeit zur Improvisation und eine vergleichslose Dichte an hinreißenden Texten (u.a. von Edith Jeske, Otto Senn, Tobias Reitz). Keine Angst vor Hintersinn, aber auch nicht vor Gefühlen.

Überhaupt: Gefühle. Da sagt der Sänger, er wünscht sich in diesem Programm „Momente des Glücks“. Da bescheinigt ihm die Presse, er sei „ein Romantiker mit Herzenswärme“ (BZ) und mit „fast schon waffenscheinpflichtigen Schauer-Angriffen in seinen Pop-Balladen“ (Hamburger MoPo). Und dann sind da seine Fans, die ihm mitunter durch halb Deutschland nachreisen, weil man Bielfeldt eigentlich kaum als „einen unter vielen“ mögen kann – ihm verfällt man ganz.
Der 51-Jährige weiß es. Schmunzelt, schweigt und sagt nach großen Komplimenten meist so etwas wie „Na das is‘ doch fein.“ Hanseaten reden ja nicht viel über solche Dinge. Im besten Fall setzen sie sich ans Klavier und singen. Endlich wieder.