Rainer Bielfeldt (© Friedrun Reinhold)

Rainer Bielfeldt solo

Seit Erscheinen seines Debüt-Albums „Nachtzug“ im Jahre 1992 hat Rainer Bielfeldt bis heute drei weitere Solo-CDs veröffentlicht: „Herzen mit Koffer“ (1993), „Alles nur ein Traum“ (2003) und „Sänger sein“ (2006). Außerdem erschien 2004 die Maxi „Um die Häuser von Berlin“ mit einer etwas anderen Berlin-Hymne und dem Bonus-Track „Schwule Kicker“.

Mit seinen CDs im Gepäck stand Rainer Bielfeldt immer wieder auch live auf der Bühne, manchmal mit Band im Rücken, meistens aber ganz pur, von sich selbst am Flügel begleitet.

Sein neues Soloalbum „Die Erinnerung von morgen“ wird am 1. November erscheinen.
Mit seinem gleichnamigen neuen Programm wird Rainer Bielfeldt wieder vermehrt live zu sehen sein – teils solo, teils mit Tom Keller an Saxophon und Akkordeon.

„Rainer Bielfeldt mit Tom Keller
„Die Erinnerung von morgen“
Das neue Live-Programm

Sein Klavierspiel ist unverkennbar. Sein Gesang auch. Seine Kompositionen sowieso. Wer sie hört, verfällt ihnen. Da gibt es kaum Fluchtmöglichkeiten. Und trotzdem ist Rainer Bielfeldt kein Typ für Massenware. Zwar hat er durchaus schon Massen erreicht im Laufe seiner gut 30-jährigen Karriere – sowohl als Solist wie auch als kongenialer Begleiter von Stars wie Tim Fischer, Gayle Tufts, Ole Lehmann, Nana Gualdi oder Alfred Biolek – trotz allem aber lässt er sich gern jeden Abend „neu entdecken“. Am liebsten von einem aufgeschlossenen, musikaffinen und leidenschaftlichen Publikum. Gut zehn Jahre nach seinem letzten Album „Sänger sein“ bringt er jetzt ein neues auf den Markt und geht endlich auch wieder auf die Bühne. Das Projekt heißt „Die Erinnerung von morgen“.
Warum die lange Pause, Herr Bielfeldt? „Ach, eine Pause war das eigentlich nicht“, wiegelt er ab, „ich hab mich nur für den Moment zurückgezogen aus der ersten Reihe und mehr Musik für Andere gemacht.“ Mit den inzwischen verstorbenen Publikumslieblingen Dirk Bach und Christiane Weber und Stars wie Jan Ammann oder Mireille Mathieu hat es Bielfeldt ins Studio gezogen. Chansons, Schlager, Musicals und Hörspiele unterschiedlichster Couleur sind entstanden. Und dann ist da natürlich noch „sein“ Künstler der ersten Stunde: Tim Fischer! Mit ihm ist er seit Jahren wieder unterwegs. Das aktuelle Programm „Absolut!“ führt die beiden Chanson-Ikonen seit einem knappen Jahr wieder quer durch die Republik – und das wird es auch weiterhin! Aber: Es wird auch wieder Zeit für ein neues Solo-Abenteuer. Warum „Die Erinnerung an morgen“? „Das Titellied entstand in der Celler Schule, der Songtexter-Akademie, die ich seit einigen Jahren mitleite“, erklärt Bielfeldt. „Mit dreien der Absolventen habe ich den Titel geschrieben. Es ist ein Lied übers Innehalten. Ein Lied mit zwei Gegenpolen: einem getriebenen, zeitbesessenen und einem ruhigen, zeitlosen. Letzterer ist der wichtigere. Und genau so soll auch das Programm sein: Ein ruhiger, zeitloser Abend als Gegenpol zum tagtäglichen Wahnsinn. Ein schöner Moment, der zur Erinnerung von morgen wird.“ Die Musik zu diesem und nahezu allen anderen Liedern des Programms stammt von Rainer Bielfeldt selbst. Einige Texte auch („Dazwischen“, „Der dritte Mai“, „Nicht mal zehn Schritte“). Für die anderen konnte der charmant-smarte Hanseat Autorenkolleginnen und -kollegen der Premiumklasse gewinnen, darunter seine Haus- und Hof-Dichterin Edith Jeske („Willi“, „Gute Reise, mein Herz“, „Tot in Venedig“), aber auch Tobias Reitz („Wie Sommer, bloß mit Schnee“) und die bereits erwähnte Christiane Weber (1975-2011) („Mein Herz, so weit“).

Rainer Bielfeldt & Tom Keller (© Friedrun Reinhold)

Dass Rainer Bielfeldts Bühnenlust nach einigen Ruhejahren („Lass mich das mal ‚Orientierungsphase‘ nennen!“) wiederkam, hat auch mit dem musikalischen Partner an seiner Seite zu tun: Tom Keller. Er ist der Co-Komponist und -Arrangeur des legendären Berliner Musicals „Linie 1“. Zahlreiche weitere Bühnenmusiken sowie Film-und Fernsehmusiken gehören zu seinen Referenzen. Und nicht zuletzt ist er virtuoser Instrumentalist mit Tiefgang am Saxophon und Akkordeon. „Tom umschmeichelt meine Stimme auf seine unnachahmlich großartige Art“, sagt Rainer Bielfeldt, und der musikalische Partner schmunzelt ein wenig verlegen. Dass sie gut zusammen arbeiten können, wissen Bielfeldt und Keller schon lange. Nicht zuletzt bei Tim Fischers „Geliebten Liedern“ waren sie gemeinsam auf Tour, und auch auf Rainer Bielfeldts letztem Album „Sänger sein“ war Tom Keller zu hören. Zwei ziemlich große Jungs stehen da auf der Bühne. Beide keine Teenager mehr, aber mit der gleichen Spielfreude wie damals. Vielleicht noch etwas mehr. Schließlich wissen sie heute, was sie tun (und auch, was sie nicht mehr tun würden). „Wir saßen beim Essen zusammen, philosophierten über das Leben und fragten uns irgendwann, warum wir jetzt nicht endlich mal das jahrelang vorbereitete Album aufnehmen – und es genau so einspielen, wie wir die Lieder auch auf der Bühne präsentieren. Und warum wir nicht auch mal wieder was live machen.“ Auf das „warum nicht“ gab es keine Antwort – wohl aber auf das abschließende „Willst du?“.
Die Antwort lautete: „Ja!“
„Die Erinnerung von morgen“ will schließlich heute noch erlebt werden!

So naheliegend das alles klingt, so ist es auch. Von der kleinen Bühne bis zur großen Show haben Bielfeldt und Keller schon alles gehabt. Das Anliegen, das sie mit dem neuen Programm antreibt, ist eher puristisch: Musik machen. Und zwar so, dass es Spaß macht. Kein starrer Ablauf, aber ein großer Fundus an guten, berührenden Songs mit einigen neu geschaffenen und anderen noch unentdeckten Perlen. Keine ausgetüftelte Dramaturgie mit sekundengenau platzierten Pointen, aber eine unnachahmliche Fähigkeit zur Improvisation – sowohl in der Musik als auch in den charmant-feinsinnigen Conferencen. Keine Angst vor Hintersinn, aber auch nicht vor großen Gefühlen. Überhaupt: Gefühle. Da sagt der Sänger, er wünsche sich mit seiner Musik „Momente des Glücks“. Da bescheinigt ihm die Presse, er sei „ein Romantiker mit Herzenswärme“ (BZ) und mit „fast schon waffenscheinpflichtigen Schauer-Angriffen in seinen Pop-Balladen“ (Hamburger MoPo). Und dann sind da seine Fans, die ihm mitunter durch halb Deutschland nachreisen, weil man Bielfeldt eigentlich kaum als „einen unter vielen“ mögen kann – ihm verfällt man ganz. „Na das is’ doch fein“, sagt Bielfeldt. Hanseaten reden ja nicht viel über solche Dinge. Im besten Fall setzen sie sich ans Klavier und singen. Endlich wieder.
(Text: Tobias Reitz)

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