© Tiago Zarpack

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„DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN“

Chanson-Musical nach dem gleichnamigen Roman
von Irmgard Keun
Bearbeitung und Liedtexte: Carsten Golbeck
Musik: Rainer Bielfeldt
mit Antonia Bill & Rainer Bielfeldt

(1 Schauspielerin und 1 KlavierspielerIn, kaum Requisiten und wenig bis gar kein Bühnenbild;
DIe Aufführungsrechte liegen beim Verlag Felix Bloch Erben – Nachinszenierungen sind mehr als willkommen!
Interessierte Theaterleiter, Regisseure, Schauspielerinnen und musikalische Leiter können Textbuch, Noten und Demoaufnahmen beim Verlag beziehen. Video und CD sind in Vorbereitung.)

„Ein durch und durch originelles Buch, das den Leser unwiderstehlich in seinen Wirbel von toller Laune, tiefem Gefühl und tragischer und komischer Verstrickung zieht.“, erkannte einst Kurt Tucholsky. Dies und darüber hinaus auch einen Text, der schon in seiner Anlage und Sprache nach einer musikalischen Umsetzung ruft, erkannten Rainer Bielfeldt und Carsten Golbeck: Sie zögerten nicht und schrieben mit dem nun vorliegenden Chanson-Musical die erste explizit musikalische Fassung dieses großen Klassikers.

Doris ist achtzehn, hält nichts von Bildung, sondern will „lieber auf der Tauenzien ein Glanz werden, statt zu arbeiten.“. Geld oder eine Bleibe hat sie längst nicht mehr, also sitzt sie vor einem Vergnügungs-Etablissement und hofft darauf, eingeladen zu werden. Oder vielleicht ja auch engagiert zu werden: „Schließlich bin ich schon Schauspielschule.“. Während sie auf ihr Vorsingen wartet, hat sie Zeit genug, uns ihre Geschichte zu erzählen: die spektakuläre Flucht aus der Kleinstadt nach Berlin, die zahlreichen Männergeschichten und Betrügereien, durch die sie ihr Überleben sichert. Vor allem ist es aber ihr Humor und ihre besondere Sicht auf die Dinge, die dafür sorgen, dass sie immer wieder auf die Beine kommt.

Carsten Golbeck und Rainer Bielfeldt erzählen den Klassiker von Irmgard Keun neu, ohne etwas hinzuzufügen – außer natürlich den Liedern, die aus Textpassagen des Buches heraus entwickelt sind. Musikalisch wie inhaltlich schlägt diese Fassung den Bogen zwischen den Zwanzigern und heute. Sowohl die neue Fassung als auch die Inszenierung setzt auf die Aktualität des Stoffes: im Mittelpunkt steht die ungebremste Lebenslust und Kreativität eines jungen Menschen, die an der Armut und den lebensfeindlichen Umständen nach und nach zerbricht. Sowohl auf der Bühne, als auch im Spiel wird alles vermieden, was den Stoff ins Nostalgische entrückt.

© Tiago Zarpack

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Und so kam es zu dem Stück:

Juni 2013 in einem Restaurant an der Spree, Sommerfest des Bühnenverlags Felix Bloch Erben. Mein langjähriger Kollege und Freund Carsten Golbeck, Nachspeisentellerchen in der linken, Espresso in der rechten Hand, kam grinsend auf mich zu und fragte: „Hast Du Lust, mit mir ein Musical aus dem ‚Kunstseidenen Mädchen‘ zu machen?“ Klar hatte ich – schließlich hatte ich das Buch ja schon in meinen jungen, sehr jungen Jahren kennen- und liebengelernt. Und so antwortete ich auf meine euphorisch-hanseatische Art: „Mal schaun … hm … also … na, warum denn eigentlich nicht?“
Langer Rede kurzer Sinn: das Projekt war noch am selben Abend unwiderruflich geboren und beschlossene Sache, denn auch die rechtliche Seite wurde ruckzuck geklärt. Die Tochter der Buchautorin war ebenfalls auf der Feier und Feuer und Flamme, und der geeignete Bühnenverlag befand sich ja auch schon vor Ort – schließlich war er der Ausrichter des Festes.

Im Frühjahr 2014 war die erste Fassung fertig, und wir planten ein Reading, eine szenische Lesung, mit geladenen Gästen aus der Theaterwelt.
In den Jahren zuvor hatte ich bereits das große Vergnügen, Antonia Bill an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zu unterrichten und beim Bundeswettbewerb Gesang 2011 (den sie in der Kategorie „Chanson“ gewann) zu begleiten. Und diese großartige junge Darstellerin ging mir von Anfang an als Traumbesetzung für das kunstseidene Mädchen „Doris“ nicht mehr aus dem Sinn. Eine Idee, für die sich dann auch Autor Carsten Golbeck und der Verlag sofort begeistern konnten.
Die Lesung fand statt im April, und es war der Hammer! Das Stück flutschte und funktionierte, und Antonia spielte uns in Grund und Boden, mit Anmut, Witz, Gefühl und einer solchen Energie und Kraft, dass gleich bei ihrem ersten fulminanten Auftritt die Wohnzimmertür des Verlagsdramaturgen dran glauben musste 😉

Natürlich hoffen wir beiden Autoren sowie der Verlag, dass das Stück im Laufe der kommenden Jahre von möglichst jedem genialen Regisseur mit möglichst jeder hoffnungsvollen Nachwuchsschauspielerin an möglichst jedem deutschsprachigen Theater nachgespielt wird; aber nach der wunderbaren Erfahrung unserer Lesung wollten wir es uns nicht nehmen lassen, auch selbst eine kleine aber feine Version mit Antonia Bill zu präsentieren. Im Januar 2015 feierte das Stück seine Uraufführung im Bruckner Foyer des Berliner Renaissance Theaters. Dort werden wir es auch zukünftig in unregelmäßigen Abständen vor hoffentlich weiterhin ausverkauftem Haus zur Aufführung bringen, und wir werden im Jahr 2016 wahrscheinlich auch einige Gastspiele außerhalb Berlins bestreiten.